Es ist schwierig, von einem Meisterwerk im Sinne eines Höhepunktes zu sprechen, wenn es um das Schaffen eines Meisters geht. Und Holger Czukay ist ein Meister, jedes seiner Werke weiß davon zu erzählen. Der Schüler Stockhausens glänzt mit seinen Veröffentlichungen, baut seit 1969 starke, kunstvolle Brücken zwischen Avantgarde und Pop, gilt als eines der einflussreichsten internationalen Aushängeschilder klanglicher Innovation aus Deutschland. 1979, kurz nach der Auflösung von Can, veröffentlichte Holger Czukay „Movies“, sein zweites Soloalbum nach „Canaxis 5“ (1969) – Auftakt einer bis heute währenden Reihe von musikalischen Neuerfindungen. „Movies“, der Titel bereits legt es nahe, ist scheinbar eine logische Konsequenz aus der Affinität für Filmmusiken, die schon seit der „Soundtracks“- Compilation (1970) die Geschichte von Can begleitete.

Doch markiert „Movies“ seiner Zeit eine weiche Zäsur im Schaffen Czukays, ist mehr als eine Fortsetzung des bereits in der Band Angelegten – auch wenn alle Can-Mitglieder als Musiker auf der Platte vertreten sind. Mehr Freiheit, neue Horizonte! Czukays Facettenreichtum, der in den folgenden Jahren etwa in seinen vielumjubelten Zusammenarbeiten mit Jaki Liebezeit, Jah Wobble und The Edge (Full Circle 1982, Snake Charmer 1983) viel Aufmerksamkeit erregen sollte, zeigt sich hier in Reinform und offenbart den sympathischen Musiker als Dreh- und Angelpunkt einiger der wegweisendsten Schallplatten der Musikgeschichte des späten 20. Jahrhunderts.

Man hört Czukays die Freude an, mit der er hier jedes der vier leichtlebigen und gleichzeitig höchst komplexen Stücke in die Welt schickt. Auch wenn die Songs eine damals bereits von ihm etablierte Signatur tragen, wirken sie freier, losgelöster. Hier hören wir einen Künstler, der durch die beste Schule gegangen und nun endgültig unabhängig geworden ist. Auf Grönland Records werden nun die Songs unter dem Titel „Movie!“ in alternativer Reihenfolge und in neuem Gewand veröffentlicht: Der bis heute Club-taugliche Song „Cool in the Pool“, hier erstmal auch als instrumentale Version veröffentlicht, ist noch immer eine Einladung, in die erfrischende Soundwelt Czukays zu springen. Außerdem sind auf »Movie!« die wahrlich cineastische „Hollywood Symphony“, das dubbig-sphärische „Persian Love“ und das krautig-treibende, mit Sprachsamples gespickte „Oh Lord, Give Us More Money“ zu hören. Ein erfrischendes Release, das die Relevanz Holger Czukays für die Musikgeschichte aufzeigt, ohne ihn leichtfertig zu historisieren.

Holger Czukay album "Movie"

out 03.06.2016

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