Under the Sun ist ein Album, das so nur Mark Pritchard aufnehmen konnte – aus einem simplen Grund: Weil kein anderer Musiker über eine vergleichbare Diskografie und einen vergleichbaren Erfahrungsschatz verfügt. Es ist ein Album, das auf den Einsichten und Erfahrungen aus einem Vierteljahrhundert basiert, in dem Pritchard die wichtigsten Subkulturen und -Szenen der elektronischen Musikwelt miterlebt, -geprägt und vorangetrieben hat, das auf Freundschaften und Kollaborationen mit Musikern verschiedener Generationen basiert sowie auf jahrelanger, intensiver Studioarbeit unter rekordverdächtig vielen Künstlernamen. Es ist der Sound eines Künstlers, der unfassbar selbstbewusst (und fast schon selbstverständlich) jedes beliebige Genre in Angriff nehmen kann – oder auch keines, wenn er will; der auch die allerneuesten musikalischen und technologischen Entwicklungen mitverfolgt, dabei aber tief verwurzelt ist in der Geschichte der zeitgenössischen Musik und ihrer jeweiligen Produktionsbedingungen. Zugleich ist es ein Album, das von persönlichen Erinnerungen an den ländlichen Südwesten Englands gespeist ist, besonders von der Grafschaft Somerset, aus der Pritchard stammt. Es sind Erinnerungen, die sich den Weg bis zum anderen Ende der Welt gebahnt haben (wo er lebt), entfernte Echos einer echten oder imaginierten Vergangenheit, die in Melodien zwischen Jazz, Folk und elektronischer Musik aufleuchten, durchschimmern in einem stetigen musikalischen Strom zwischen kontrolliertem Reizentzug und emotionaler Introspektion.

Pritchard stammt aus Somerset, und natürlich saugte er alles auf, was für einen Heranwachsenden in den späten Achtzigern von Bedeutung sein konnte: „The Smiths, Pixies, Sonic Youth, The Cure, My Bloody Valentine – und dann auch die Sachen von 2 Tone Records, durch die ich auch bei Reggae und Dub landete.“ Ein zentrales Erlebnis war ein erster Clubbesuch an der Südküste in Bournemouth, wo zwei DJs namens North und South denjenigen House- und Techno-Sound spielten, der zu dieser Zeit in Detroit, Chicago und New York gemacht wurde: Damals ganz klar die innovativsten Genres überhaupt. „Ich hatte echt Glück“, meint Pritchard, „dass ich schon damals richtige Clubmusik, den richtigen Mix davon, zu hören bekam. Denn ab da gab’s einfach kein Zurück mehr für mich!“ Tatsächlich dominierte die elektronische Musik gleich nach diesem Erstkontakt im Club sein ganzes Leben. So kam er schon wenig später mit anderen Leuten aus Südwestengland in Kontakt, unter anderem mit Tom Middleton, der als Produzent erste Gehversuche mit Richard D. James (aka The Aphex Twin) gemacht hatte – und mit dem Pritchard später etliche Projekte starten sollte, u. a. Global Communication, Jedi Knights etc.

Pritchard war von Anfang an nicht nur extrem produktiv, seine Produktionen wegweisend, denn, wichtiger noch: Ihm gelang es, sich nicht auf die Leftfield-Electronica-Ecke festnageln zu lassen, indem er sich in den unterschiedlichsten Genres ausprobierte. Seine unter den Namen Reload und Link veröffentlichten Tracks gelten noch immer als Meilensteine der britischen Techno-Bewegung, und so wurden selbst seine Vorbilder aus Detroit schnell hellhörig und bekundeten ihren Respekt. Die Hardcore-Breakbeat-Tracks, die er mit seinem Schulfreund Dominic Fripp als Chaos & Julia Set aufnahm, wurden von den größten DJs der Rave- und auch der aufkommenden Jungle-Szene gespielt, und der verträumte Drum & Bass-Sound, den er mit Middleton unter dem Namen The Chameleon vom Stapel ließ, sollte nicht ohne Grund bei LTJ Bukems Good Looking Records erscheinen. Außerdem begann zu dieser Zeit seine ebenfalls äußerst produktive Freundschaft mit Rave-Legende Danny Breaks. Seine NY-Connection-Veröffentlichungen sind auch heute noch bei „richtigen“ House-DJs begehrt. Der Electro-Funk von Jedi Knights begeisterte die Fans von Acts wie The Prodigy, The Chemical Brothers und Daft Punk, und Global Communication haben mit 76:14 eine der wichtigsten Chillout-Platten aller Zeiten aufgenommen.

Mark Pritchard album "Under The Sun"

out 13.05.2016

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