ALEXA’S – das Unikum aus München - kein bisschen weniger!

„Alle denken immer, wir waren früher die ganze Zeit zugedröhnt. Dabei sind wir unseren Pflichten genauso nachgekommen wie die normalen Leute!“


Alexa, wie war München in Deiner Jugend?
Alexa: In den 60ern sah München noch ganz anders. Jedes zweite Haus war eine Ruine, weil im zweiten Weltkrieg viel zerbombt worden war. Wir durften als Kinder nicht in den Ruinen spielen, doch das Gefährliche hat mich damals schon gereizt. In den 70ger Jahren war ich noch Teenie und damit ein niemand. Aber klar hat man alle gekannt, die Obermaier, den Lemke, den Valentin und alle Wichtigen. Damals war die Leopoldstrasse der Spot. In Schwabing gab’s viele Tonstudios, die Stones und eigentlich alle großen Bands nahmen ihre Platten in München auf. Die Szene war wirklich gut mit Bands wie Can, Amon Düül und viele andere. Alles war psychedelic, bunt, im Englische Garten gab es Picknicks mit den Hippies. Diese Zeit hat meine Jugend und mich geprägt. Es war eine tolle Zeit!

Hast Du noch Lieblingsstücke von damals?

Alexa: Ich kann zwar meine superkurzen Miniröcke oder die Blümchenkleider aus der Vorkriegszeit nicht mehr anziehen, weil sich meine Figur verändert hat, (lacht), und es passt auch nicht mehr zu mir. Doch ich habe noch meine blaue Samtjacke, die ich mir 72 in Amsterdam gekauft habe. Sie ist mit Silberfäden bestickt und kommt aus Afghanistan, von wo die Hippies damals schon bestickten Zottelpelzjacken importierten. Sie ist eins meiner Erinnerungsstücke.

Du bist jetzt 55 und in München eine Institution. Erzähl mal!
Alexa: Ich war immer schon eine leidenschaftliche Sammlerin und ging regelmäßig auf den Dachauer Flohmarkt. Mein damaliger Freund kam auf die Idee und schon war’s passiert. Meinen ersten Second Hand Laden eröffnete ich 1982 im damaligen Wolkenhaus in Schwabing, das leider ein Jahr später abgerissen wurde. Meinen jetzigen Laden in der Utzschneiderstraße 10 habe ich genau 25 Jahre. Ich ging damals sehr viel aus und kannte viele Leute aus der Szene, wie die Inge vom Parkcafé, die ganzen Punks, die Leute vom Tanzcafé (Anmerkung der Red.: Tanzlokal Größenwahn, Punk, Wave, Metal etc. Szeneclub der 80er & 90er Jahre in der Klenzestraße). Weil es damals noch keinen Laden wie den meinen gab, kamen die Leute von überall her. Es lief super, auch in den 90er. Dann kam zwar ein Einbruch. Doch als es mit der Schlagerwelle losging, ging’s auch bei mir wieder steil bergauf. Wir feierten die ersten wilden Schlagerpartys im Club auf der Landsbergerstraße.

Wer kauft bei Dir ein?
Alexa: Mein Stammpublikum waren immer schon Frauen wie Männer von 15 bis 75. Heutzutage verkaufe ich ‚Vintage’. Die Klamotten müssen 30, 40 oder gar 50 Jahre alt sein, um unter diesen Begriff zu fallen.
Noch vor einiger Zeit wollte jeder ein schwarzen Biker- oder Punkerlederjacke haben, eine zerfetzte Jeans, die Mod-Mädchen ein originales 60ties und die Teds ein 50ties Kleidchen. Vor allem in den 80ern war das angesagt und wurde von der gesamten Szene getragen. Heute gibt es viele unterschiedliche Gruppen. Die einen stehen Designer wie Dolce und Prada, sofern sie sich das leisten können. Die anderen gehen zu H&M, Mango oder Zara. Ich bin genau zwischen drin, wodurch die Käuferschicht nicht mehr so breit ist. Heute kommen Künstler, Sammler, Undergroundler, Individualisten – Vielleicht doch nicht so anders als früher?
Mein zweites Standbein ist der Fundus, der Verleih der Klamotten in Salzburg. Das bedeutet sammeln und Bestände aufkaufen. Die können zehn Jahre im Lager liegen. Doch irgendwann kommt einer vom Film und braucht die Sachen als Ausstattung, so wie der Herr Rosenmüller. Im Film „Wer früher stirbt ist länger tot“ sind nahezu alle Kostüme von mir. In seinem neuen Film „Orange“, in dem es um die Bhagwans geht, kam die Kostümbildnerin auch zu mir. Sie hat genau recherchiert und mir Fotos gezeigt. Die hatten ja teils gar nichts oder nur eingefärbte Unterwäsche an. Das war gar nicht so leicht! Der Film ist typischer Rosenmüller, eine Tragikkomödie, in der jeder sein Fett abkriegt. Es geht um eine Bhagwan-Kommune, die ´81 von Berlin in ein oberbayerisches Dorf zieht. Du kannst dir vorstellen was da los war!





Die Hippies, die Punks - wie empfindest Du die Jugend von heute?
Alexa: Ich denke jedes Jahrzehnt hat seine wilden Zeiten. Selbst in den 20ern gab es die wildesten Partys, wurde auf den Tischen getanzt und Koks geschnupft. Doch heute scheinen die Partys viel exzessiver abzulaufen. Wenn ich morgens mit dem Hund hier am Gärtnerplatz rausgehe, sind die Straßen oft gepflastert mit Glasscherben. Die Jugendlichen brauchen offenbar mehr Dröhnung und zugleich kommt von ihnen selbst eher wenig. Sie sind verwöhnt durch Internet und Handy. Wir konnten uns früher nicht über Facebook auf eine Party hinbestellen. Heute herrscht ein Überangebot an Ausgehmöglichkeiten. Wir hatten ein oder zweimal im Monat ne coole Party. Und man ging auf die guten Konzerte in der Alabamahalle oder Theaterfabrik (Anmerkung der Red.: Alabama auf der Dachauer, Theaterfabrik in Freimann – beides abgerissen). Wir haben uns verabredet. Ich kann mich an meine ersten Partys in der Kulturfabrik erinnern. Da kamen bis 600 Leute und die Bude war voll! Hauptsache die Party und die Musik stimmten. Klar wurden viele Drogen konsumiert, vielleicht fand sogar ein gewisser Missbrauch statt, aber solche Glasscherbenwüsten haben wir nicht hinterlassen. So gesehen ist die Jugend fader geworden. Sie brauchen viel Alkohol und blöde Ballaballamusik oder Elektrosound –

Ist Techno gänzlich an Dir vorübergegangen?

Alexa: Nein, um Gottes Willen! Ich war jedes Wochenende im Ultraschall in Riem draußen (Anmerkung der Red.: TeccnoClub im alten Flughafen vor dem Abriss). Das war doch hammermäßig!

Wohin gehst Du heute aus?
Alexa: Es gibt immer wieder Gelegenheiten, sich ins Nachtleben zu stürzen, wenn zum Beispiel der DJ Tomahawk und der Balu zusammen im Pimpernel auflegen. Dann gibt’s nur Vinyl Scheiben, eher Indie Style. Manchmal bin ich auch im Platzhirsch, wo der Gringo von den Freaky Fuckin’ Weirdoz auflegt oder auch der Felli, der alte Palme Chef. Die Palme war ein Kultladen, eine Punkkneipe mit Punkmusik, Kickern und Erdnüssen aufm Tisch und Erdnussschalen aufm Boden.

Vermisst Du etwas von damals?
Alexa: Nein, gar nicht. Mit über 50 hat man ja alles schon mal mitgemacht. Letztendlich ist es doch immer das gleiche, die Gespräche nach dem dritten Bier. Ich beschäftige mich jetzt lieber mit Kunst oder gehe Bergwandern.

Klingt nach Ruhestand?
Alexa: Ich würde gerne auf dem Land leben, wo die Luft besser ist. Im Alter würde ich gerne meinen Fundus in Salzburg weiter betreiben, denn meine Sammlung ist ja sehr umfangreich! Im Moment ist der nur freitags oder nach Vereinbarung geöffnet. Das soll meinen Lebensunterhalt zusätzlich sichern, denn von der Rente können wir ja nicht so viel erwarten. Den Laden hier in der Utzschneiderstraße behalte ich sicher noch weitere fünf Jahre. Dann werde ich München den Rücken kehren. Das glaubt zwar keiner, aber ich habe es fest vor!

Hast Du noch Wünsche und Ziele?
Alexa: Ich möchte auf alle Fälle noch die Welt bereisen, fremde Länder erleben, in regelmäßigen Abständen meine Freunde in Amerika besuchen, so lange es noch geht, denn das weiß man ja nie. Ich denke da an Unsicherheiten wie Terrorismus und die Umweltschädigung durchs Fliegen. Ich habe mir schon überlegt, ob ich demnächst mit dem Schiff von Hamburg nach New York fahre. Das dauert auch nur drei bis vier Tage.

Machst Du dir heute mehr Gedanken über die Umwelt als früher?
Alexa: Auf jeden Fall. Ich benutze mein Auto in der Stadt so gut wie gar nicht mehr, mache alles zu Fuß oder mit der Tram. Aus meiner Sicht ist es durchaus der Umwelt zuträglich, wenn man etwas Gebrauchtes kauft. Es muss nicht immer was Neues her, vor allem nicht wenn es superbillige, durch Kinderarbeit hergestellte Ware ist. Dieses Verständnis wünsche ich mir bei den jungen Leuten und es wäre mein Ziel, dass sie sich dahingehend bilden und öffnen!

Interview und Fotos: A. Sandweger


ALEXA'S
Inhaberin: Alexa Schab
Utzschneiderstr. 10
80469 München
Tel.: 089 2604203


„Weiberl sind herzlich willkommen, aber Rüden mag er halt nicht so gern! ... außerdem spürt der Hund wenn da ein schlechtes Karma ist!“