Die Hippies, die Punks - wie empfindest Du die Jugend von heute?
Alexa: Ich denke jedes Jahrzehnt hat seine wilden Zeiten. Selbst in den 20ern gab es die wildesten Partys, wurde auf den Tischen getanzt und Koks geschnupft. Doch heute scheinen die Partys viel exzessiver abzulaufen. Wenn ich morgens mit dem Hund hier am Gärtnerplatz rausgehe, sind die Straßen oft gepflastert mit Glasscherben. Die Jugendlichen brauchen offenbar mehr Dröhnung und zugleich kommt von ihnen selbst eher wenig. Sie sind verwöhnt durch Internet und Handy. Wir konnten uns früher nicht über Facebook auf eine Party hinbestellen. Heute herrscht ein Überangebot an Ausgehmöglichkeiten. Wir hatten ein oder zweimal im Monat ne coole Party. Und man ging auf die guten Konzerte in der Alabamahalle oder Theaterfabrik (Anmerkung der Red.: Alabama auf der Dachauer, Theaterfabrik in Freimann – beides abgerissen). Wir haben uns verabredet. Ich kann mich an meine ersten Partys in der Kulturfabrik erinnern. Da kamen bis 600 Leute und die Bude war voll! Hauptsache die Party und die Musik stimmten. Klar wurden viele Drogen konsumiert, vielleicht fand sogar ein gewisser Missbrauch statt, aber solche Glasscherbenwüsten haben wir nicht hinterlassen. So gesehen ist die Jugend fader geworden. Sie brauchen viel Alkohol und blöde Ballaballamusik oder Elektrosound –

Ist Techno gänzlich an Dir vorübergegangen?

Alexa: Nein, um Gottes Willen! Ich war jedes Wochenende im Ultraschall in Riem draußen (Anmerkung der Red.: TeccnoClub im alten Flughafen vor dem Abriss). Das war doch hammermäßig!

Wohin gehst Du heute aus?
Alexa: Es gibt immer wieder Gelegenheiten, sich ins Nachtleben zu stürzen, wenn zum Beispiel der DJ Tomahawk und der Balu zusammen im Pimpernel auflegen. Dann gibt’s nur Vinyl Scheiben, eher Indie Style. Manchmal bin ich auch im Platzhirsch, wo der Gringo von den Freaky Fuckin’ Weirdoz auflegt oder auch der Felli, der alte Palme Chef. Die Palme war ein Kultladen, eine Punkkneipe mit Punkmusik, Kickern und Erdnüssen aufm Tisch und Erdnussschalen aufm Boden.

Vermisst Du etwas von damals?
Alexa: Nein, gar nicht. Mit über 50 hat man ja alles schon mal mitgemacht. Letztendlich ist es doch immer das gleiche, die Gespräche nach dem dritten Bier. Ich beschäftige mich jetzt lieber mit Kunst oder gehe Bergwandern.

Klingt nach Ruhestand?
Alexa: Ich würde gerne auf dem Land leben, wo die Luft besser ist. Im Alter würde ich gerne meinen Fundus in Salzburg weiter betreiben, denn meine Sammlung ist ja sehr umfangreich! Im Moment ist der nur freitags oder nach Vereinbarung geöffnet. Das soll meinen Lebensunterhalt zusätzlich sichern, denn von der Rente können wir ja nicht so viel erwarten. Den Laden hier in der Utzschneiderstraße behalte ich sicher noch weitere fünf Jahre. Dann werde ich München den Rücken kehren. Das glaubt zwar keiner, aber ich habe es fest vor!

Hast Du noch Wünsche und Ziele?
Alexa: Ich möchte auf alle Fälle noch die Welt bereisen, fremde Länder erleben, in regelmäßigen Abständen meine Freunde in Amerika besuchen, so lange es noch geht, denn das weiß man ja nie. Ich denke da an Unsicherheiten wie Terrorismus und die Umweltschädigung durchs Fliegen. Ich habe mir schon überlegt, ob ich demnächst mit dem Schiff von Hamburg nach New York fahre. Das dauert auch nur drei bis vier Tage.

Machst Du dir heute mehr Gedanken über die Umwelt als früher?
Alexa: Auf jeden Fall. Ich benutze mein Auto in der Stadt so gut wie gar nicht mehr, mache alles zu Fuß oder mit der Tram. Aus meiner Sicht ist es durchaus der Umwelt zuträglich, wenn man etwas Gebrauchtes kauft. Es muss nicht immer was Neues her, vor allem nicht wenn es superbillige, durch Kinderarbeit hergestellte Ware ist. Dieses Verständnis wünsche ich mir bei den jungen Leuten und es wäre mein Ziel, dass sie sich dahingehend bilden und öffnen!

Interview und Fotos: A. Sandweger


ALEXA'S
Inhaberin: Alexa Schab
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„Weiberl sind herzlich willkommen, aber Rüden mag er halt nicht so gern! ... außerdem spürt der Hund wenn da ein schlechtes Karma ist!“