Aus dem Gedächtnisprotokoll von FLATZ:


“Bis zum 13. November war ich permanent in der Zelle und begann den zweiten Teil des künstlerischen Konzeptes, die Zelle zu bemalen, zu realisieren... Jeden Abend um 19 Uhr wurde ich von der Ausstellungsaufsicht Ariana... freundlich aufgefordert die Zelle zu verlassen... Am 10. November nachmittags erschienen zwei Carabinieri..., die mich aufforderten mich auszuweisen (dem ich folgte) und mir erklärten, dass durch die wiederholte Aufforderung die Zelle zu verlassen, ich ein Verbrechen (exakt dieses Wort fiel) begehen würde... Am Montag, den 23. November (der Ausstellungsort war an diesem Tag offiziell geschlossen) erschienen vormittags um 10.35 Uhr zwei zivile Kriminalbeamte... Sie fotografierten mich in der Zelle... Die Kriminalbeamten sowie die zwei Carabinieri führten mich nach unten, vor das Gebäude... und... gaben mir zu verstehen, dass ich mich sofort entfernen solle. Ich blieb... vor dem Gebäude stehen und fotografierte die Szene... Erneut griff mich jener Beamte, der sich mir gegenüber schon im Gebäude aggressiv verhalten hatte, an... woraufhin ich das Weite suchte...

Seit dem 23. November logiere ich im Hotel... in Rom. Mein Rückflug nach München... war für den 29. November... geplant. Ich muss meinen Aufenthalt jedoch verlängern, da sich alle meine Privatgegenstände inklusive meines Hausschlüssels in der Zelle... befinden und jedem an der Ausstellung Beteiligten der Zutritt zum Ausstellungsgebäude verboten wurde.

Für die Richtigkeit des Sachverhaltes meiner Darstellung verbürge ich mich persönlich.“

Prof. Wolfang FLATZ


Bedauerlicherweise hat das italienische Kulturministerium die Wiedereröffnung der Ausstellung verweigert, unter anderem aus Empörung über die Beschädigung des historischen Gebäudes durch FLATZ. Dieser bemüht sich darum, dass seine Wandgemälde „Sixtinische Kapelle der Gefangenen“ erhalten bleibt. Der Direktor der Alten Pinakothek München, Reimund Wünsche, will eine Stiftung gründen, die ebenfalls den Erhalt des Werkes von FLATZ unterstützt.

Das Kunstprojekt „Cella“ hatte in 16 Tagen immerhin 3000 Besucher angelockt. Unter den insgesamt 38 internationalen KünstlerInnen waren unter anderem Jannis Kounellis, Pipilotti Rist, Matthew Barney, außerdem 14 österreichische Künstler wie Eva Schlegel und Zenita Komad.

Text & Interview, Fotos Atelier München: Angela Sandweger
Fotos Knast: FLATZ




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