Auch mit der Stadt München hast du gelegentlich Ärger?

FLATZ: München ist nicht gerade nett zu mir, obwohl ich seit 35 Jahren da bin. Drei mal habe ich an der Dokumenta teilgenommen, doch noch nie war ein Museumsdirektor aus München bei mir. Die Kulturpolitiker haben sich noch nie um mich gekümmert. Aber es ist mir egal. Ich bin eine hässliche Warze im Antlitz dieser Stadt. So würde ich mich hier begreifen, auch wenn mich keiner greifen kann.

Was hält Dich dann in München?

FLATZ: Ich liebe diese Stadt! Sie ist meine Heimat. Hier ist mein soziales Umfeld, sind meine Freunde. Doch hätte ich diesen Platz auf der Praterinsel nicht, wäre ich vermutlich schon längst weg. Es ist ein außergewöhnlicher und inspirierender Ort. Ich war an vielen schönen Orten der Welt, ich hab viele wundervolle Plätze gesehen und in etlichen Ländern und großen Städten gelebt. Doch München ist die schönste Stadt, die ich je kennen gelernt habe. Hier ist mein Platz!

Deine Heimatstadt Dornbirn hat dir zu Ehren ein FLATZ Museum eröffnet …

FLATZ: Im Juni hat meine Geburtsstadt und das Bundesland Vorarlberg, ein Museum für mich eingerichtet, das nach vorne hin offen ist, weil ich ja noch relativ jung bin. Ich kenne keinen lebenden Künstler, der zu Lebzeiten ein öffentliches Museum bekommen hat.

Sie sind offensichtlich sehr stolz auf dich.

FLATZ: Jetzt schon, aber man muss auch sehen, dass ich dort vor 35 Jahren verhaftet und sogar ins Irrenhaus gesteckt worden bin. Doch die Menschen durchlaufen einen Entwicklungsprozess, wie auch ich als Künstler. Offenbar haben die Leute in hohen kulturellen Positionen dazugelernt und ihre Wahrnehmung verändert. Sie haben sich weiter entwickelt. Ich mache damals wie heute meine Arbeit. Damals bekam ich negative, heute positive Reaktionen. Dabei war mir nie wichtig, was über mich als Person gedacht wird, allerdings sehr wohl, welche Resonanz meine Arbeiten bekommt. Nach 35 Jahren vieler Entbehrungen und Erniedrigungen, aber auch großen Erfolgen – beide Seiten heben sich inzwischen auf - ist das FLATZ Museum eine großartige Bestätigung für meine Arbeit!

zum aktuellen Geschehen:

„Am Montag, den 23.November wurde vom italienischen Kulturministerium in Rom die komplette Ausstellung "Cella" offiziell geschlossen.“ (Flatz)

Laut Medienberichten war die Ursache der Künstler FLATZ. Er habe sich nicht an die vertraulichen Vertragsvereinbarungen gehalten. Auch habe er der mehrmaligen Aufforderung vom italienischen Innenministerium nicht nachgegeben, seinen permanenten Aufenthalt im Gefängnis aufzugeben.