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bifnakedBif Naked:
Superbeautifulmonster

out 26.05.2006
Bodogmusic/Edel

BIF NAKED

Die mandeläugige kanadische Künstlerin Bif Naked, deren Frisur an die der junge Bettie Page erinnert, war in unserem Land zuletzt mit ihrem 1998er Album ‚Bificus’ zu sehen. Sie tourte im ganzen Land und hätte sich beinahe in Berlin niedergelassen, wo sie sich vor allem in Kreuzberg unter den vielen Künstlern, in der multi-kulti Gesellschaft sehr wohl fühlte. Doch zuletzt kam alles ganz anders.

Weil sie im Clinch mit ihrer alten Plattenfirma war, haben wir nichts von ihr gehört. Währenddessen wurde sie vor allem in ihrer Heimat und auch in den USA ein Rockstar. Nun kehrt sie endlich wieder nach Europa zurück, reifer und etwas älter, hat sie allen Lastern abgeschworen, ernährt sich gesund und achtet sehr auf ihren Körper. Aus der jungen zügellosen Rebellin ist eine starke Frau geworden.

Wo lebst Du heute, Bif?bifnaked

Ich lebe immer noch in Vancouver und das ist ganz o.k. so, denn ich habe kaum Zeit meine Koffer auszupacken, geschweige denn dort länger zu verweilen. Vancouver ist sehr sehr schön, v.a. wenn Dir hiking Spaß macht. Ich träume oft davon in Montreal oder anderen großen Städten das Leben eines Bohemien unter vielen Künstlern und Schriftstellern zu führen. Aber ich fühle mich wohl wo ich lebe und dort habe ich ja auch meine zwei kleinen Hunde, Nikolas und Anastasia. Die beiden sind jetzt neun Jahre alt und auch für sie wäre es schwer in ein anderes Land zu ziehen. Ich habe sie seit sie Babys waren. In Vancouver zu bleiben gibt mir auch eine gewisse Stabilität.

Du präsentierst Dich, wie viele Musiker, auf der Plattform von myspace.com. Schreibst Du Deine Blogs selbst?

Ja, sicher! Doch die Seite wird von den Jungs bei der Plattenfirma gepflegt. Ich schicke zwar meine Tagebucheinträge, aber ich mache nicht die uploads. Ich gehe lieber mit meinen beiden Hunden in den Park, fahre mit meinem Auto spazieren und höre Musik. Ich hatte noch nie Interesse an elektrischem Spielzeug. Ich gucke auch nie fern und verbringe so gut wie keine Zeit am Computer Ich war immer schon sehr viel auf Reisen. Mein Manager hat mir ein BlackBerry Handy besorgt, als die vor ein paar Jahren in Kanada herauskamen. Das ist mein Hauptkommunikationsmittel zu meinen Freunden, daheim und zu meinem Manager. Ich hab kann mich einfach nicht lange genug ruhig halten, um am Computer zu arbeiten.

Wenn Du Deine Songs schreibst, benutzt Du da keinen Computer?

Niemals. Ich schreibe alles mit der Hand auf. Ich habe zwei kleine Bücher, in die ich meine Cartoons zeichne und meine Songs schreibe. Auch mein aktuelles Album ist so entstanden.

Deine vorhergehenden Alben waren alle sehr autobiographisch. Wie ist das bei diesem hier?

Auch dieses Album ist so. Nur der Song ‚Henry’ fällt da raus, zum einen weil ich niemanden kenne, der so heißt, zum anderen weil ich kein Baby habe. Aber alle anderen Songs sind von mir und über mich. Es geht in all meinen Songs immer um die Suche nach Liebe und auch ihren Verlust. Ich suche immer noch und ich verliere immer noch.

Erzähl uns doch ein bisschen mehr aus Deinem Leben.

Ich bin ein Adoptivkind. Meine Schwester und ich waren in einem Heim. Meine Schwester wurde zuerst von unseren Eltern, zwei Missionaren, die in Indien in arbeiteten, adoptiert. Ein Jahr später holten sie auch mich. Sie gingen mit uns zurück in die Vereinigten Staaten. Da waren wir gerade mal zwei und drei Jahre alt. Mein Vater wurde Professor und wechselte ständig seine Jobs, so dass wir mehrmals von den USA nach Kanada, von Kanada in die USA umzogen. Wir sind ziemlich normal aufgewachsen. Unsere Eltern waren sehr christlich. In der High School war ich in einer Theatergruppe und tanzte Ballett. Ich hatte nicht wirklich vor Musikerin zu werden. Ich schrieb Gedichte und trug diese sogar öffentlich vor. Ich dachte immer, ich würde Schriftstellerin werden. Doch in der Theatertruppe gab es eine Band und die wollten, dass ich ihre Sängerin werde. So begann das dann, eigentlich ganz zufällig. Ich verließ die Schule und ging mit ihnen auf Tour. Seitdem bin ich eigentlich auf Tour und mache Platten. Ich wollte aufs College gehen, aber ich glaube fast, das schaffe ich nicht mehr. Ich habe herausgefunden, dass Songs schreiben und die auf der Bühne zu präsentieren, mein Weg ist. Es gibt nichts schöneres für mich!

Erzähl uns doch von Deinen Auftritten in TV-Serien. Wie war das?

Ich bin in Buffy the Vampire aufgetreten. Ich und die Band, wir haben uns quasi selber gespielt. Das hat sehr viel Spaß gemacht! Sarah Michelle Gellar war sehr freundlich zu uns. Wir hatten sehr viel Spaß an diesem Tag, obwohl Catering nicht so toll war... (lacht) Na ja, und wenn Du in Nordamerika bist und einen gewissen Bekanntheitsgrad erlangt hast, dann schickt Dir immer irgendjemand ein Manuskript. Normalerweise wollen die dann, dass ich einen Junkie, eine Hure oder eine Sängerin spiele... Das ist so überhaupt nicht interessant für mich. Das ist überhaupt nicht mein Ding. Aber vielleicht kommt ja mal eine Rolle, die ich gerne spielen würde.

Bis Du zufrieden als Musikerin?

Oh ja! Ich liebe was ich tue! Ich fühle mich total wohl mit dem was ich mache, viel mehr als vor zehn Jahren, als ich noch viel unsicherer war. So ist das mit uns Frauen. Je älter wir werden, umso mehr Selbstvertrauen haben wir und umso wohler fühlen wir uns in unserer Haut.

Du hast viele Tattoos. Wie kamst Du dazu?bifnaked

Als ich ein Teenager war, wollte ich immer ‚tough’ rüberkommen. Also habe ich mir ein erstes Tattoo machen lassen, ein Auge. Eigentlich wollte ich  nur ein einziges. Ich wollte mit Sicherheit nicht eine tätowierte Frau werden, auf die alle gucken. Ich wollte einfach nur cool sein. Heute sehen mich viele Leute völlig falsch, denken ich bin abgebrüht und supercool, eine Bikerbraut oder so was. Aber so bin ich überhaupt nicht!

Warum hast Du Dich mehr und mehr tätowieren lassen?

Da wo ich lebe, wurde die Tattoo Art eine regelrechte Kultur. Wenn Du ein Symbol oder Bild siehst, dass Dich total fasziniert, dann willst Du es vielleicht sogar auf Deiner Haut tragen. Für mich war es so was wie eine Studie von verschiedenen Ideologien und Philosophien. Ich hab zu dieser Zeit sehr viele über den Buddhismus gelesen und so habe ich auch sehr viele buddhistische Tattoos. Die haben mich zu dieser Zeit sehr tief berührt.

Würdest Du sagen, Du bist religiös?

Ich dachte immer, ich sei spirituell! Aber über die Jahre habe ich mehr und mehr entdeckt, dass ich eigentlich religiös bin. Ich bete jeden Tag mehrmals. Ich bin nur keiner bestimmten Religion zugehörig. Ich praktiziere eine Religiosität von bestimmten Verhaltensweisen, die ich für wichtig halte... In jedem religiösen Buch heißt es zum Beispiel, dass Du Deinen Körper respektieren sollst. Genau das mache ich heute. Wenn ich mal am Tor des Hades stehe, hoffe ich, dass jemand sagt, ja ja, lasst sie rein. Gebt ihr einen Pulli, so kann sich keiner an ihren Tattoos stören. Sie ist willkommen hier!

Hast Du es je bereut Dich tätowieren zu lassen?

Nein, noch nie! Ich bin nur froh, dass ich keine Namen von meinen Freunden auf meiner Haut habe. (lacht) Obwohl ich inzwischen die Idee ganz reizvoll finde, so viele Namen zu haben, so was wie Trophäen.

Was würdest Du einem Teenager sagen, der sich tätowieren lassen will?

Ich würde lügen und sagen, ich hab das erste mit 25 Jahren bekommen. Ich würde sagen, er oder sie soll sollten damit warten bis sie älter sind. Dann haben sie mehr Selbstvertrauen und lassen sich nicht mit Banalitäten zupflastern, sondern werden sich, wenn überhaupt, für etwas Gutes entscheiden...

Wenn Du keine Musikerin wärest, was wäre Dein Traumjob?

Diese Frage konnte ich früher sehr schnell beantworten. Ich hab mir immer gewünscht Medizin zu studieren und vor allem älteren Menschen zu helfen.
Na ja, Ich immer mal wieder an Jobs interessiert, die keiner machen wollte. Als Schülerin, mit 17, hab ich zum Beispiel mal in einen Inn-Lokal gearbeitet. Der Manager, bei dem ich mich vorgestellt hatte, war sehr erstaunt, dass ich nicht als Kellnerin oder Barfrau arbeiten wollte, sondern als Tellerwäscherin! Sechs Monate lang habe ich das gemacht. Die anderen Bedienungen waren sehr gemein zu mir. Sie dachten, ich sei eine arme Mexikanerin oder so was. Einmal fragte mich eine: sprichst Du Englisch? Ich sagte: Ja, und Du? (lacht) Ich bin froh, dass ich das damals gemacht habe. Ich dachte, wenn ich diesen ekligen Job durchhalten würde, dann würde ich alle anderen Jobs gerne machen. Aus heutiger Sicht war das richtig..., weil ich es für wichtig halte, in dem aufzugehen, was man tut!

Wärst Du als Musikerin gerne so berühmt wie eine Britney Spears?

Ich weiß nicht – Die Leute durchwühlen den Abfall von Britney oder Jennifer Aniston und fotografieren sie, wenn sie auch nur bei Starbucks sind. Diese Frauen haben so gut wie kein Privatleben mehr. Ich denke, das ist nicht das was ich für mich und meine Familie will. Ich bin zufrieden so wie es ist. Es ist jeden Tag eine Herausforderung. Ich treffe immer neue Menschen, ich spiele immer auf anderen Bühnen.

Erzähl mir bitte mehr über den Song “abandoned man“!

Oh je, diesen Song kann ich mir gar nicht mehr anhören, weil ich sonst weinen muss. Es ist ein Song über Trennung und die Enttäuschung darüber, dass Deine Träume und Zukunftsplane zerschmettert worden sind. Es ist ein Lied darüber seine große Liebe zu verlieren.

Was ist Dein nächstes Ziel?

Ich möchte Biobananen in Spanien pflücken, denn da werde ich morgen sein! Ich habe so ein Ziel jeden Tag und das ist auch gut so!

Interview: AngieBlack