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Ein Gespräch mit Gründer und Labelchef Michael Reinboth

Interview & Fotos: Angela Sandweger

Eine Deiner LieblingsCompostPlatten ist von Felix Laband: Dark Days Exit. Wieso?

Michael: Felix Laband ist ein junger Südafrikaner, der in seiner argen Drogenabhängigkeit ein Weg gefunden hat, sich dennoch äußerst positiv und charmant zu verwirklichen. Seine Musik ist wunderschöner minimaler aber höchst musikalischer und zeitloser Pling-Plong, jedoch mit Songstruktur, Warp’schen Elektro-Sprengseln und kleinen Melodiebögen, die ihresgleichen suchen.

Du hast über 350 VÖs und doch ist Compost ein eher kleines Label. Sind die Künstler damit zufrieden?

Michael: Eines der ungenannten Geheimnisse hinter der Langlebigkeit und Vielschichtigkeit von Compost, sowie der Tatsache, dass viele Acts der ersten Stunde immer noch dabei und wohl zufrieden sind, ist, dass Compost über all die Jahre hinweg eine Vielzahl von Neuen und unbekannten Talenten unter Vertrag nahm, diese aufbaute und immer wieder aufs Neue frisches Blut in die Szene pumpte. Ein Blick auf die Liste an Veröffentlichungen bestätigt dies. Compost hat nie die A&R Politik bereits bekannte Künstler anzuheuern, verfolgt, obwohl mir dies durchaus immer wieder möglich war. Große Namen mögen sich verkaufen, aber man bekommt weder eine Garantie, noch hat man eine besondere Herausforderung. Auch kann es sich negativ auf den Rest des Künstlerstammes auswirken.

Viele werden auf Vinyl herausgebracht. Was steckt dahinter?

Michael: Compost ist immer noch mit der Clubmusik verbunden und dort verankert. Da komm ich schließlich her. Ich habe 13 Jahre Into Somethin’ und viele andere Clubabende gestaltet und überall in der Welt aufgelegt. Dieser Basis verdanke ich Compost. Der bleibe ich auch mit 70 noch treu, was nicht bedeutet, dass wir nicht auch andere nicht-clubbige Musik veröffentlichen. Nur  trennen wir das zunehmend strategisch durch Sublabels wie Compost Black Labels oder  Drumpoet Community. Aus meiner Sicht wird es Vinyl nach wie vor geben, denn das Medium ist sexy, analog, klingt wärmer, fasst und fühlt sich besser an.

Wie schätzt Du die Zukunft von Vinyl im Vergleich zur CD und mp3 ein?

Michael: Vinyl wird schwerer verkaufbar. Auflagen sacken auf 200 bis maximal 1000. Doch das bedeutet auch, dass die Exemplare gesucht, teuer und rar werden. Schon jetzt ist das bei aktuellen VÖs zu beobachten, die in einer kleinen Auflage von 300 Stück gepresst werden. Allerdings müssen wir uns auch anpassen. Wir beliefern derzeit ca. 60 Download-Shop Portale weltweit.

Was ist Deine Vision für das Label?

Michael: Meine Vision reicht(e) zeitlich nicht über zwei Jahre hinaus, abgesehen davon dass mir immer bewusst war, dass ein Gesamtwerk weit mehr Nachhaltigkeit und Offenbarung zeitigt, als ein paar Maxisingles. Aber meine Vision speist sich aus unendlichen Inhalten, Versatzstücken, Hunderttausenden von gehörten, gelebten Platten, edle, schöne, leise oder laute Parts von bewegender emotionaler Musik, und diese in ein neues Licht zu rücken. Musik jenseits vom Mainstream, aber auch nicht abstrakt, zugenäht oder auf Teufel komm raus aggressiv oder vordergründig. Musik zwischen den Stühlen zu veröffentlichen ist eine Sisyphos-Arbeit mit Nackenschlägen und tollen Erfolgsmomenten. Einmal angefangen kann man nicht mehr so einfach aufhören. Das geniale Album ist immer das nächste oder übernächste, oder einfach unerreichbar.

Magazine wie GROOVE bezeichnen die Musik von COMPOST als „Phusion“. Was würdest Du sagen

Michael: Für  Compost Musik gibt es kein Genre, wir sind ein offener, stilistisch breit gefächerter Feinkostladen. Selbst wenn ich sagen würde wir veröffentlichen diese Richtung und das Genre, trifft das übermorgen schon wieder nicht mehr zu, wie im Fall „Future Jazz“.

Woher kommen die Bezeichnungen? Sträuben sich nicht gerade Jazz Musiker gegen Schubladen?

Michael: Die Schubladen kommen von Journalisten, Rubriken in Magazinen, Schallplattenläden die entsprechende Fächer machen, und auch von gewissen Nerds, oder gar Bio-Waschzetteln von Labels, die meinen, den neusten Schrei erfinden zu müssen. Manchmal hilft ein Genrebegriff Musik im Netz zu finden. Jedoch weiß jeder, der über den Tellerrand schaut, jeder Musikfreak und Musiker, der nicht einer stringenten sozialen Szene verhaftet ist,  Das sich aus der Freiheit, die der Jazz lehrt, der Rock verspricht, der Techno suggeriert und der Soul vortäuscht, seine auf den eigenen Leib geschnittenen Süß- und Bitterstoffe raussuchen.

Du scheinst Zeit Deines Lebens von Musik begeistert zu sein. Wie aber entstand die große Liebe zu neuen elektronischen Musik?

Michael: Mit der Gründung der Zeitschrift „Elaste“ 1980 ging das eigentlich richtig los. Ich war für die Musik in Elaste verantwortlich, ich begann Musik wie süchtig zu hören, zu studieren, drüber zu lesen, und  aufzulegen, über Musik zu schreiben und war von New Wave infiziert. Früher Rap, Elektro und schräge leftfield Disco (heute nennt man sowas auch Garage) kamen hinzu. Das war alles elektrifizierte Musik, die aber immer etwas organisches, menschliches, Soul atmete. Das ist die Musik die ich heute noch höre, spiele, veröffentliche und suche. 

Du hast eine 70 tausend Platten in Deiner persönlichen Sammlung. Hast Du noch den Überblick was Du da so alles besitzt?

Michael: Ja , alles sortiert, alphabetisch, nach Format 12, LP, 10“, 7“, und derzeit gebe ich pö a pö  alles gerade bei „Disogs“ ein, um endlich auch eine Liste zu haben.

Wie viele Stunden am Tag hörst Du Musik?

Michael: Früher waren es sicher 5- 8 Stunden, Wochenenden mehr, heute sind es auf Grund der horrenden Arbeit circa 3 Stunden am Tag.

Auf der Party am 10.10.2009 in der Muffathalle wird vorab ein Fußballspiel – Deutschland gegen Russland – übertragen. Bist Du ein Fußballfan?

Michael: Yep! Verpasse kaum ein Champions League Spiel, schaue wann immer ich kann Bundesliga oder heuer Euro-League. Supporte Hannover 96  und Bayern München. Hannover, weil Heimatstadt und ich da mal kurz n Probetraining in der B-Jugend hatte. Außerdem bin ich ein großer Kickerfan. Habe dreimal hintereinander das Pop-Komm /Spex Kickerturnier gewonnen, danach wollten sie uns (Doppel) nicht mehr antreten lassen. War früher fast immer beim Größenwahn Cup dabei.

Du wirst 50. Was ist das schönste das Du erlebt hast, wenn Du zurück schaust?

Michael: Meine zwei Kinder, meine Frau. Danach kommt erstmal nix. Dann vielleicht die Musik, die mich auch noch glücklich machen kann, was allerdings nur wenige Stücke zulassen.

Hast Du je etwas bereut?

Michael: Oh , ja . Vieles. Weniger einige VÖs, als mehr einige geschäftliche Entscheidungen. Kaufmann soll man ja lernen können, also habe ich noch was vor.

Was ist Dein nächstes persönliches Ziel?

Michael: Doch noch mal wieder ins Studio und die eigene Platte machen.

Was ist der Plan für die nächsten 15 Jahre?

Michael: Es gibt kein 15 Jahre Plan, grad mal einen vagen für März 2010, da steht das neue Marsmobil Album an.


Am Samstag, den 10. Oktober 2009 feiert COMPOST sein 15jähriges Bestehen!

 

Die Party steigt in der Muffathalle, Muffat-Cafe und im Ampere!

c u there!