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Save Me From Myself

out 12.12.2008
Drivemg/Soulfood

Die Rettung vor sich selbst
By Michael Fuchs-Gamböck

Diese Geschichte ist, selbst für das verrückte Rock 'n' Roll-Business, ziemlich verrückt: Brian Welch, in Insiderkreisen lediglich unter dem Spitznamen "Head" ein Begriff und Gitarrist sowie Gründungsmitglied der erfolgreichen Nu Metal-Formation Korn, schmiss Anfang 2005 nach 13 Jahren Mitgliedschaft die Band, um sich kurz darauf vor mehr als 10.000 Zuschauern im kalifornischen Bakersfield in einem See taufen zu lassen. Nach zahlreichen Jahren am emotionalen Abgrund, geprägt von Alkohol- und Drogen-Missbrauch, Selbstmordversuchen und Gewaltorgien, hatte "Head" in einem Flugzeug eine Vision von Gott, der ihn mit seiner ganzen Liebe umarmte. Kurz darauf läutete der heute 38-jährige eine radikale Kehrtwende in seinem Leben ein, bezeichnet seine aktuelle Existenz als "ausschließlich Jesus gewidmet, meinem Messias, der sich darum kümmert, dass es mir immer gut geht und ich im Gegenzug immer gut zu meinen Mitmenschen bin."

In der Tat eine erstaunliche Entwicklung, die "Head" nicht nur musikalisch - in Form seines ersten Soloalbums "Save Me From Myself" -, sondern auch schreibend in Form seiner Autobiographie gleichen Titels (auf Deutsch unter dem Titel "Rette mich vor mir selbst" erschienen) verarbeitete. Die Platte knüpft vom Sound her nahtlos an die Korn-Ära ein, klingt grimmig, grob, wuchtig. Textlich allerdings dreht es sich nicht wie einst in erster Linie um Paranoia, Wut und Seelenpein, stattdessen kommt "Head" meist brian  welchversöhnlich daher, sein neu gefundener Glaube steht im Zentrum des Geschehens. Seine niedergeschriebene Lebensgeschichte liest sich flott, stimmt nachdenklich und, wenn wieder und wieder von destruktiven Phasen berichtet wird, traurig bis niederschmetternd. Schade nur, dass "Head" sich keinen professionellen Co-Autoren an die Seite gestellt hat, denn stilistisch klingt vieles holprig und unstrukturiert. Trotzdem lohnt sich die Lektüre, denn die bisherige Existenz ihres Autors ist dermaßen spannend und steckt voller Widersprüche, dass man sprachliche Unzulänglichkeiten darüber beinahe vergisst.

FRAGE: Wenn man sich deine Autobiographie durchliest, kommt es einem vor, als würdest du zwei völlig unterschiedliche Existenzen hintereinander in deinem Körper ausleben. Bist du schizophren?

WELCH: Nein, ich bin wohl so was wie erleuchtet, ohne dass dies arrogant klingen soll. Ich habe mich in einem schmerzhaften Prozess von meinem miesen Ego aus der Vergangenheit ab- und Gott und seiner Gnade zugewandt. Wobei ich mich dabei keiner Gehirnwäsche unterzogen habe. So wie der Brian Welch von früher stehe ich weiterhin auf Tätowierungen, lange Haare und harte Rock-Musik. Ich verfüge auch noch über den selben merkwürdigen Humor von einst. Doch ansonsten bin ich tatsächlich ein anderer, "neuer" Mensch - einer, der sich einzig und allein von Jesus und dessen Güte leiten lässt, nicht mehr von Drogen, Sex und Selbstmordgedanken.

FRAGE: War es wichtig, sehr viele destruktive, exzessive Erfahrungen zu sammeln, um eines Tages - wie du es nennst - "erlöst" zu werden?

brian welchWELCH: Offensichtlich war das mein ureigener Weg, ja! Ich habe alles erdenklich Schlechte auf diesem Planeten bis zum Äußersten durchexerziert. Scheint, dass dies dringend als Vorarbeit für meine radikale Kehrtwende notwendig war. Denn nach all dem Irrsinn in meinem Dasein wurde ich von Gott erlöst, einfach so. Ich wurde von ihm durch meine eigene, persönliche Hölle geführt, um schließlich im Paradies auf Erden anzukommen. Ich meine, klar bin ich noch der dumme, alte Brian. Aber ich bin geläutert. Gott wird bis ans Ende meiner Tage und darüber hinaus an meiner Seite stehen. Ich bin wie vorher. Und nichts wird in meinem Leben so sein, wie es vorher mal war. FRAGE: Du behauptest in deinem Buch, dass du während eines Flugs eine göttliche Vision hattest, die deinen Entschluss herbei führte, fortan dein Leben Gott zu widmen und der Band den Rücken zu kehren...

WELCH (lacht): Okay, ich bekenne - ich war während dieses Flugs wie so häufig ziemlich besoffen. Doch an der Tatsache, dass diese Vision direkt von Gott an mich gesandt wurde, besteht für mich ganz persönlich nicht die Spur eines Zweifels. Und die Tatsache, dass ich mich bald danach taufen ließ, dass ich bis heute sämtlichen Drogen und dem Sex abgeschworen habe, dass ich beinahe über Nacht zu einem neuen Menschen geworden bin, beweist mir, dass ich mich bei der Einschätzung des Ereignisses nicht täusche.

FRAGE: Wie hat sich dein Leben, auch dein Charakter, verändert, seit du zum Christentum konvertiert bist?

WELCH: Ich bin, hoffe ich, ein mitfühlender Zeitgenosse geworden. Außerdem ist die Destruktivität aus meinem Leben verschwunden, ich denke nicht mehr über Sterben oder Suizid nach. Ich will ein wertvolles, optimistisches Mitglied dieser Gesellschaft sein, friedliebend, gütig, gerecht. Und demütig, was meine Beziehung zu Jesus angeht.

FRAGE: Was für ein Gefühl war es, deine Autobiographie zu schreiben, außerdem die sehr persönlichen Texte deines Solo-Debüts?

brian  welchWELCH: Das war schmerzhaft und erlösend zur selben Zeit. Eine echte Katharsis, ohne die ich heute, da bin ich mir sicher, nicht mehr auf diesem Planeten sein würde. FRAGE: Welche Erwartungen hast du an deine Zukunft als Künstler?

WELCH:Ich erwarte überhaupt nichts mehr! Das ist ja das Schöne am Dasein als Christ: Dass man überhaupt keine Angst vor irgendwas zu haben braucht, weil der Herr stets über uns wacht, wenn man sich einmal zu ihm bekannt hat. FRAGE: Hast du keine Angst, eines Tages Zweifel am neu gewonnenen Glauben zu haben, zurückzufallen in dein altes, destruktives Leben?

WELCH: Überhaupt nicht! Ich bin sehr dankbar dafür, dass ich in die tiefsten Niederungen des menschlichen Daseins hinab gestiegen bin, in meine persönliche Hölle. Ich weiß, wie grässlich es dort aussieht, habe das bis zum Exzess getrieben. So ein Dasein brauche ich nicht mehr. Nie mehr! Gott hat mir so viel Kraft geschenkt - ich wäre der dümmste Narr der Welt, wenn ich dieses Geschenk aufs Spiel setzen würde.