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Good News, Bad Day

out 27.02.2009
Wmg

Die Lässigkeit der Melancholie
By Michael Fuchs-Gamböck

Der Mann ist einfach nett. Vorbehaltlos nett. Ein höflicher Gastgeber, freundlich und zuvorkommend, witzig, mit einer prächtigen Portion Selbstironie gesegnet. Und trotz millionenfach verkaufter Tonträger bis heute resolut auf dem Boden geblieben - frei von Manierismen, unkompliziert, unprätentiös, charmant. Genau, ein prima Kerl! Der Mann, der vor mir auf der Couch in der Suite des noblen Münchner Hotels sitzt, heißt Sascha Schmitz. Der Pop-Welt ist er seit seinem Karrierestart 1998 lediglich als "Sasha" ein Begriff. Die Nörgler bezeichnen Sasha als stets grinsenden Sonnyboy ohne kreatives Potenzial, die Optimisten bezeichnen Sasha als stets grinsenden Sonnyboy, der perfekte Pop-Hymnen schreibt, bei denen man das Radio lauter statt leiser dreht, weil man sich gerne immer wieder in ihren Melodien verliert.

Leicht macht es Sasha einem nicht - gerade weil er sich gerne von der leichten Muse küssen lässt. Obwohl er die auch immer seltener zu treffen scheint, denn die zwölf Lieder auf dem aktuellen Album "Good News On A Bad Day" besitzen zwar nach wie vor lupenreinen Pop- und damit Mitpfeif-Appeal. Doch ähnlich wie beim Vorgängerwerk "Open Water" hält immer öfter das Nachdenkliche, Grüblerische Einzug ins Geschehen. Am besten einigen wir uns darauf: Sascha Schmitz, geboren im westfälischen Soest, hat ein Gespür für eingängige Harmonien, intoniert mit samtweichem Organ. Er zählt 37 Lenze, weiß um sein Alter und versucht, die damit verbundenen positiven wie negativen Erfahrungen in seine Stücke einzubringen. Was ihm mehr und mehr gelingt. Man muss Sashas Musik nicht vergöttern. Mögen kann man sie in jedem Fall. Um sie komplett abzulehnen ist sie schlicht zu gut gemacht.

FRAGE: "Good News On A Bad Day" beginnt ziemlich lässig und unbeschwert, wird aber zunehmend schwermütiger und melancholischer. Wie kommt's?

SASHA: Mir ist diese Entwicklung der zwölf Songs auf dem Album erst im Nachhinein aufgefallen. Eigentlich hatte ich vor, eine rundherum optimistische Platte aufzunehmen. (lacht) Aber dafür bin ich mit meinen 37 Jahren wohl zu alt. Das Leben zeigt einem ab einem gewissen Erfahrungsschatz eben nicht nur seine fröhlichen Seiten. Ich weiß, dass ich auf einige Menschen rein optisch wie der perfekte Schwiegersohn ohne Ecken und Kanten wirke. Aber mit diesem flüchtigen ersten Eindruck täuschen sich die Leute. Ich kann durchaus ein sehr nachdenklicher Zeitgenosse sein.

FRAGE: Dabei wurden erste Ideen für die Scheibe unter beinahe urlaubsmäßigen Bedingungen gesammelt...

SASHA: Das stimmt! Ich war mit meinen langjährigen beiden Co-Autoren (Robin Grubert und Alexander Zuckowski; d. Red.), die zur gleichen Zeit echte Freunde von mir sind, ein paar Wochen in Ferien. Zunächst haben wir viel Sport getrieben, Ausflüge unternommen und Party gefeiert, aber nach ein paar Tagen Entspannung machten wir uns sehr ernsthaft an die Arbeit. Ich für meinen Teil bin tief eingetaucht in mein Inneres, habe meine Seele durchforstet, um herauszufinden, wie es um meine aktuelle Befindlichkeit steht. Unter diesen Voraussetzungen sind die neuen Lieder entstanden. Ganz klar, dass es sich unter solchen Umständen als Ergebnis nicht um eine banale Urlaubs-Platte handeln kann... 

FRAGE: Ist "Good News On A Bad Day" auch deshalb etwas nachdenklich ausgefallen, weil du die Trennung von Marta (Jandova, Sängerin von Die Happy, mit der Sasha zwischen 2003 und Anfang 2008 zusammen war; d. Red.) noch nicht vollständig überwunden hast?

SASHA (lacht): Das möchte ich nicht völlig ausschließen! Wobei ich ungeheuer glücklich darüber bin, dass Marta und ich weiterhin Kontakt zueinander pflegen, dass wir echte Freunde sind. Sie ist ein toller Mensch, den ich nie komplett in meinem Leben vermissen möchte. Mehr Worte müssen über dieses sehr private Thema nicht verloren werden, finde ich.

FRAGE: Nachdem die Rohversionen der Songs für "Good News On A Bad Day" standen, hast du die einheimische Produzenten-Legende Edo Zanki kontaktiert, der dein Wunschpartner für die Aufnahmen war. Warum gerade er?

SASHA: Edo ist für mich ein Altmeister, außerdem ist er nicht nur Produzent, sondern auch Musiker. Er ist ein Bauch-Mensch, der bei der Arbeit ausschließlich auf sein Gefühl hört. Darüber hinaus weiß er, wie man im Studio ein Schlagzeug aufstellt, damit es den perfekten Klang bekommt. Mein Vertrauen in sein Wissen und seine Fähigkeiten sind grenzenlos. Und er hat mein Vertrauen in keinster Weise enttäuscht.

FRAGE: 2006 hast du ein "Greatest Hits"-Album veröffentlicht. Darf man das als eine Art Zäsur sehen, ist "Good News On A Bad Day" für dich künstlerischer Neuanfang?

SASHA: Textlich auf alle Fälle, denn während ich früher viel Autobiographisches von mir gegeben habe, beobachte ich heutzutage lieber Menschen, höre ich gerne ihren Geschichten zu, um daraus Verse zu schmieden. Mir ist diese Entwicklung recht, da es manch alte Zeilen gibt, die mir heutzutage ein wenig peinlich sind, weil sie pubertär wirken. So etwas würde mir jetzt nicht mehr unterkommen, dafür bin ich zu alt. Ich gehe nun mal auf die 40 zu, gegen diese Entwicklung habe ich keine Chance. Musikalisch betrachte ich mich heutzutage nicht mehr als Pop-Junkie, sondern eher in der Tradition von Singer/Songwritern.

FRAGE: Wie kam es zum Titel des aktuellen Albums?

SASHA: Der passt prima zu meiner derzeitigen Befindlichkeit! Natürlich sehe ich, dass die Menschheit keine besonders lustige Zeit durchmacht. Andererseits sollte jeder versuchen, das Positive herauszupicken, das uns die Welt Tag für Tag bietet. Ich habe mich zwar noch nie im Negativen gesuhlt, doch ich konnte ein launischer Mensch sein. Was daran lag, dass bei mir Höhen und Tiefen nah beieinander lagen. Inzwischen nehme ich jede Situation, wie sie kommt. Wenn ein Tag "schlecht" ist - was immer das zu bedeuten hat - akzeptiere ich es und versuche, damit bestmöglich umzugehen. Das Leben selbst ist ja neutral. Das "Schlechte" darin wird subjektiv empfunden. Deshalb kann man Negatives zu jeder Zeit ausblenden. Ich jedenfalls habe die Lässigkeit in der Melancholie erkannt.

FRAGE: Solche philosophischen Einsichten passen gar nicht zu deinem Image des unbeschwerten Sonnyboys, das du nach wie vor in der Öffentlichkeit genießt...

SASHA: Ich denke, an diesem Image ändert sich gerade einiges! Da stets viel von meiner öffentlichen Person in meiner privaten steckte, weil ich noch nie ein Freund von Lügen war, werden die Menschen schnell merken, dass ich nicht nur der nette Langweiler von nebenan bin. Deshalb klingen auch meine neuen Lieder tiefgründiger als meine früheren Sachen. Ich bin nicht mehr der "Bravo"-Posterjunge Sasha, dessen Publikum hauptsächlich aus Minderjährigen besteht.

FRAGE: Du siehst dich 2009 demnach als erwachsenen Menschen, was immer Erwachsensein zu bedeuten hat?

SASHA: Genau, was immer das zu bedeuten hat, alles ist schließlich relativ. Wenn Erwachsensein heißt, dass ich mit meiner charakterlichen Entwicklung abgeschlossen habe, dann bin ich nach wie vor ein Teenager - und der bin ich gerne! Ich will ja weiterkommen, immerzu, das ist mein Hauptanspruch ans Leben. Und bei aller Entwicklung entspannt bleiben, ein netter Kerl. Tief im Inneren bin ich ein Harmonietrottel. Ob die kindliche oder die erwachsene Ausgabe davon, müssen andere beurteilen. Hauptsache, ich fühle mich wohl in meiner Haut.