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Die hohe Qualität, doch vor allem originelles Songwriting und ausgefeilter Arrangements zeichnen das Berliner Akustik Trio aus und machen das neueste Werk so wunderbar. Die zahlreichen Tourneen, u.a. Deutschland, Schweiz, Italien, und Festivalauftritte, u.a. Fusion, Transeuropa, ließen MY SISTER GRENADINE zu einer eng verflochtenen Einheit werden.

Während Vincenz Kokot nun völlig auf eine Gitarre verzichtet und auf der Ukulele eine Vielfalt offenbart, die fernab aller Klischees seinesgleichen sucht, rücken durch das selbstbewusste Spiel von Angelina Kartsaki und Felix Koch auch Geige, Trompete und perkussive Elemente weiter in den Vordergrund. Dabei kommen selbst eine Schreibmaschine und Plastiktüten zum Einsatz, die so den klangexperimentellen Ausflügen des Trios eine neue Tiefe verleihen.

Zudem wurde der Fokus auch auf textlicher Ebene geschärft: die Beschäftigung mit den Schnittstellen von persönlichem und gesellschaftlichem Leben, die Verbindung ästhetischer und politischer Bezugspunkte, das Ausloten der Reibungsfläche von scheinbaren Freiheiten und zunehmenden Zwängen - all das spielt eine entscheidende Rolle auf "spare parts".

Die Frage danach, wie es sich in dieser Welt anders leben lässt und Zustände verändert werden können, ohne dass das eigene Leben zu einem zerstückelten Puzzle gerät oder sich so lange in Widersprüchlichkeiten und Absurditäten verstrickt, bis es in einzelne Ersatzteile zerfällt, zieht sich dabei als roter Faden durch das neue Werk.    

Ohnehin haben sich My Sister Grenadine als Trio längst freigespielt und sind an einem Punkt angelangt, der es einem schwer macht, ihre Musik durch Bezüge zu erfassen. Sie besteht aus akustischen Punkten und Strichen auf weißem Papier, sie ist konzentriertes Spiel mit Sprache und Klang, mit Nah und Fern. Und doch ist es immer der Song, in welchem das Ganze seinen Ausdruck findet und der klar macht, warum Mensch dies Folk-Musik (mit jeweils beliebiger Free-, Avant-, Anti-, Indie- oder Pop-Begriffsbeigabe) nennt.

Der Ausdruck des Trios hat sich gewandelt. Die akustischen Punkte und Striche sind nicht mehr auf weißem Papier, sie sind auf Landkarten. Sie streifen Orte, erzählen deren Geschichten und tragen ein politisches Aufbegehren in sich, das den Bauch kribbeln lässt. Mittendurch spukt die singende Säge, es tanzt die Ukulele, es stampft und schreit, es pfeift und wispert. Die Liebe zur Unschärfe, zur Reduktion, die Sorgfalt im Umgang mit Text und Musik, all das geht My Sister Grenadine in keinem Moment dieser fünfzehn Songs verloren und macht "spare parts" zu einem freigeistigen und unvergleichlichen Album, das dritte bereits.  

Nach den Erfolgen des Debuts "shine in the dark" von 2008, das von der ZEIT zum Singer/Songwriter-Album des Sommers erkoren wurde, und des nachfolgenden Doppelalbums "subtitles & paper planes" von 2010, das die Neue Musikzeitung zur “einzig gültigen Definition für das Genre der unabhängigen Singer/Songwriter“ machte, wird nun das bisher ausgereifteste und vielseitigste Werk von MY SISTER GRENADINE veröffentlicht.

(Text: u.a. von Sebastian Kunas, Musiker und Veranstalter)


Album: Spare Parts
Release: 01.03.2013
Solaris Empire/Broken Silence

 

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